Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Fragen und Antworten zum Thema Degu-Ernährung
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Frank
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Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Servus, zusammen,

Wenn man sich die Gewichtskurven von Ronja und Porthos anschaut (siehe unten), kann man da einen klaren Jahresgang erkennen. Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, wird ordentlich aufgesattelt. Um den Oktober hat es dann ein Maximum. Das hohe Niveau hält bis etwa Februar, dann geht mit dem Gewicht wieder abwärts bis auf das Sommerniveau, welches bis etwa September gehalten wird. Die Temperatur im Deguzimmer kann nur bedingt der Auslöser sein, da wirklich heiße Sommertage, die die Wohnung aufheizen, eher nur von Juni bis September auftreten. Erst ab 28 Grad Innentemperatur nimmt die Fresslust der beiden sichtbar ab. Beobachtet Ihr bei Euren Degus ähnliche Jahreskurven?

Wir wiegen die Tiere wöchentlich. Auch bei Athos zeigte sich im November 2023 ein Gewichtsmaximum (~320 g), bevor er dann im März sein Sommerniveau (~275 g) erreichte.

Ciao, Frank

P.S.: Leider hatte ich im April 2026 einen Festplattencrash und da sind die nicht gesicherten Daten (11/2025-04/2026) verlorengegangen.

Degugewicht Ronja und Porthos bis 11-2026.jpg
Derzeit bei uns und hoffentlich glücklich: Ronja und Porthos
:regenbogen: Aramis (14.11.2023), Jerry (20.12.2023), Athos (08.09.2024), Hamster Luici (23.10.2024), Valentina (25.02.2025)
Tinka
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Re: Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Ja, Degus haben (wie die meisten von uns Zweibeinern ;-) ) saisonale Gewichtsschwankungen. Kein Grund zur Sorge.
Hier z.B. haben es Monika und Dagmar früher mal beschrieben
https://forum.deguhilfe-sued.de/viewtop ... 353#p79353
Tinka
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Re: Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Frank hat geschrieben: 1. Nov 2026, 20:10 Die Temperatur im Deguzimmer kann nur bedingt der Auslöser sein, da wirklich heiße Sommertage, die die Wohnung aufheizen, eher nur von Juni bis September auftreten. Erst ab 28 Grad Innentemperatur nimmt die Fresslust der beiden sichtbar ab. Beobachtet Ihr bei Euren Degus ähnliche Jahreskurven?

Wir wiegen die Tiere wöchentlich. Auch bei Athos zeigte sich im November 2023 ein Gewichtsmaximum (~320 g), bevor er dann im März sein Sommerniveau (~275 g) erreichte.
Um noch auf Deine Frage nach der Ursache zurückzukommen:
Ich hatte dazu früher schon mal Studien zu gewälzt und denke, dass diese jahreszeitlichen Gewichtsschwankungen in der Innenhaltung nicht mit der Temperatur sondern mit der Tageslänge zusammenhängen. Auch in beheizten Räumen bekommen Degus ja mit, dass die Tage kürzer oder länger werden.

Hierzu gibt es Untersuchungen aus Chile, weclhe die generelle Empfänglichkeit der Degus für diese Licht-/Tageslängen-Reize belegen: Bei Degus fördern kurze Tage (unter 12 Stunden Licht) die Fortpflanzungsaktivität, auch in Gefangenschaft. In Chile beginnt die Paarungszeit im chilenischen Spätherbst und Winter, also etwa Mai bis Juli. In dieser Zeit sind die Tage in Chile kurz.


Dazu passt eben auch das sogenannte Herbsteln (vermehrte Rangkämpfe und oft notwendige Gruppenneusortierungen) hierzulande in vielen Gruppen, das eben gehäuft mit den kürzeren Tagen beginnt: Bei wildlebenden Degumännchen wurde zu Beginn der Paarungszeit ein deutlicher Anstieg von Testosteron und Aggressivität festgestellt.

Sich mit beginnender Paarungszeit zielgerichtet etwas mehr Gewicht/Kraft anzufuttern, dürfte sinnvoll sein (in Chile beginnt die Paarungszeit im Mai/Juni gerade erst nach der langen Trockenzeit, während sich das Nahrungsangebot erst allmählich wieder verbessert - dort können die Degus nicht ganz so leicht zunehmen, weshalb sich hier keine sinnvollen Gewichtsvergleiche mit der Gefangenschaft herstellen lassen.). Haben wir doch auch andersherum alle schon miterlebt, wie Degus während VGs oder auch Unruhen in bestehenden Gruppen an Gewicht verlieren.

Die Studien und die Beobachtungen in Gefangenschafte legen nahe, dass die kürzer werdenden Tage sogenannte photoperiodische Reize auslösen, die den Hormonhaushalt und damit sicher auch den Stoffwechsel der Degus beeinflussen.

Ob/wie das kürzere Tageslicht die winterliche Gewichtszunahme unserer Heimdegus ganz genau erklärt, ist noch nicht im Einzelexperiment nachgewiesen (also, dass hier nur Tageslängen und Gewicht untersucht wurden und alles andere blieb gleich).
Aber ich halte es angesichts der Puzzleteile aus verschiedenen Studien für eine plausible Grunderklärung – zumal Temperatur und Futterangebot in Innenhaltung weitgehend konstant bleiben.

Ein paar Quellen.
- Morales (1982): Reproducción y Embriología – Einfluss der Tageslänge auf die Fortpflanzung bei Degus https://publicaciones.mnhn.gob.cl/668/w ... 1.html?utm
- Soto-Gamboa (2005): Free and total testosterone levels in field males of Octodon degus – saisonaler Anstieg von Testosteron und Aggressivität https://www.scielo.cl/scielo.php?pid= ... rttext&utm
- Kenagy, Place & Veloso (1999): Relation of glucocorticosteroids and testosterone to the annual cycle of free-living degus – jahreszeitlicher Gewichtsverlauf wildlebender Degus. https://www.researchgate.net/publicatio ... tral_Chile
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Frank
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Re: Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Danke Dir, @Tinka !

Ich hatte mir keine Sorgen um die beiden gemacht, da sie wohlauf und aktiv sind, sowie gut fressen. Ich fand es nur interessant, dass es insbesondere wohl bei den Jungs einen solchen Jahresverlauf des Gewichtes hat. Danke dafür, dass Du auch die Hintergründe geliefert hast. Nun ist Porthos wohl megafit für neue Sexabenteuer mit Ronja, die aber folgenlos bleiben werden ... :thinking: - er ist kastriert *aaahhh* !

Ciao, Frank
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sam.lowry
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Re: Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Das ist interessant zu lesen, aber ich habe mit meinen drei Degus irritierenderweise eine andere Erfahrung gemacht: Da ging das Gewicht nach langen Tälern im Winter immer so März/April hoch und erreichte im August/September den Höchsstand. Ab November ging es immer runter und insbesondere Dezember/Januar/Februar waren ausgeprägte Tiefs zu überbrücken.
Tinka
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Re: Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Hallo Sam,

kann es sein, dass bei Deinen Jungs die jahreszeitliche Gewichtsentwicklung durch die besonderen Umstände in Deiner Gruppe überlagert wurde?

Deine Beobachtung hat mich neugierig gemacht, deshalb habe ich noch einmal in Deinen älteren Beiträgen gestöbert. Und dabei ist mir einiges aufgefallen.

Schon im November 2020 hattest Du berichtet, dass alle drei Jungs etwa 30 g zugenommen hatten. Damals hatten Dagmar und Monika Dir erklärt, dass solche herbstlichen Gewichtszunahmen bei Degus recht häufig vorkommen und die Tiere im Frühjahr meist wieder abnehmen.

https://forum.deguhilfe-sued.de/viewtopic.php?p=79352

Allerdings hattest Du offenbar damals bereits kurz danach die winterlichen Gewichtstiefs beobachtet.

Was mir bei Deinen Jungs besonders auffällt, ist die über Jahre immer wieder beschriebene Unruhe in der Gruppe:

- Dezember 2020: Du schilderst erhebliche Rangstreitereien, besonders durch Bartlebys Dominanzversuche, und fragst selbst, ob das „Herbsteln“ sein könnte.
https://forum.deguhilfe-sued.de/viewtopic.php?t=6330

- Dezember 2022: Es kommt zu heftigen, blutigen Auseinandersetzungen. Kurz darauf wird bei Bogdan ein großer Hodentumor festgestellt. Im Februar 2023 eskaliert die Situation erneut. Später stellt sich heraus, dass Bogdan außerdem unter einer schmerzhaften Spondylose leidet.
https://forum.deguhilfe-sued.de/viewtopic.php?t=8698

- November 2023: Erneut berichtest Du von heftigen Konflikten zwischen Bartleby und Mörschel.

Sehr treffend finde ich dazu Octodons Einschätzung vom August 2023:

„Häufig brodelt es schon länger unter der Oberfläche“.

Sie bezeichnete Deine Gruppenkonstellation angesichts der gesundheitlichen Probleme und zahlreichen Tierarztbesuche als „ein sehr fragiles Konstrukt“.

https://forum.deguhilfe-sued.de/viewtopic.php?p=126418

Könnte hier also ein wesentlicher Teil der Erklärung für den ungewöhnlichen Gewichtsverlauf liegen?

Wir wissen aus der Haltungserfahrung, wie erheblich Degus während Vergesellschaftungen oder bei anhaltenden Rangstreitereien an Gewicht verlieren können. Da sind auch mehrere Dutzend Gramm bei vielen Berichten/Haltern leider keine Seltenheit.

Und wenn die kürzer werdenden Tage tatsächlich hormonelle Veränderungen auslösen, die das Herbsteln begünstigen, könnte das gerade bei einer ohnehin instabilen Gruppe eine Rolle spielen. Die jährliche Gewichtszunahme, die wir bei vielen anderen Degus beobachten, könnte dadurch von stressbedingten Gewichtsverlusten überlagert werden.

Hinzu kommen die gesundheitlichen Probleme. Alle drei waren regelmäßige Zahnpatienten. Auch das könnte eine Rolle spielen, gerade im Winter, wenn weniger frische Wiese und teilweise auch weniger geeignetes Kaufgrün zur Verfügung stehen. Bei Zahnpatienten kann sich das durchaus auf die Futteraufnahme und den Zahnzustand auswirken.

Vielleicht wäre es interessant, wenn Du Deine langjährigen Gewichtskurven einmal mit den damaligen Rangstreitereien, Zahnbehandlungen und Erkrankungen abgleichst? Gerade die Winter 2020/21, 2022/23 und 2023/24 wären spannend. Ob sich die jeweiligen Gewichtsverluste zeitlich mit solchen Belastungen decken?

Natürlich muss das nicht alles erklären. Aber Deine drei Jungs hatten über Jahre eine wirklich besondere, offenbar immer wieder angespannte Gruppenkonstellation mit zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen.


Deshalb halte ich es eher naheliegend, dass wir hier weniger einen grundsätzlich anderen saisonalen Gewichtsverlauf sehen als vielmehr einen, bei dem die üblichen jahreszeitlichen Einflüsse auf das Gewicht völlig durch Stress und Erkrankungen überlagert wurden.
sam.lowry
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Re: Setzen unsere Degus Winterspeck an?

Moin Tinka,
das hat mich gestern Abend sehr berührt, was du recherchiert hast, weil es viele Erinnerungen wachgerufen hat. Einiges hätte meine eigene Erinnerung total verzerrt: Zum Beispiel hätte ich ohne diese alten Beiträge rundheraus abgestritten, dass Bogdan jemals der Adressat von Aggressionen gewesen ist - weil er in späteren Jahren, auch und insbesondere, nachdem er sehr krank wurde (erst der Tumor, später, noch viel beeinträchtigender durch neurologische Ausfallerscheinungen), von seinen Brüdern als "Clanchef" akzeptiert, gemocht und umsorgt wurde. Auch als er schon gar nicht mehr die Kraft gehabt hätte, sich durchzusetzen. Das heißt, Bogdans Erkrankungen haben die Gruppe immer dann ins Wanken gebracht als sie neu bzw. akut aufgetreten sind; als er chronisch geschwächt war, hat es Bartleby und Mörschel nicht mehr so aufgeregt. Interessanterweise ist nach Bogdans Tod im August 2024 der immer mal wieder aufflammende Konflikt zwischen Mörschel und Bartleby nichtmehr aufgetreten.

Leider habe ich irgendwann diverse Dateien zu meinen Degus gelöscht und habe jetzt nur noch eine Tabelle aus den ersten 15 Monaten bei mir (Jan. 20 - März 2021) gefunden: Da kam es VOR dem ersten kompletten Winter, den Sie bei mir waren, im Spätsommer/Herbst zur "Gewichtsexplosion", von Dezember (dem Zeitpunkt des ersten Streits) bis März ging es aber gewichtsmäßig in den Keller. Das gilt, obwohl die Gruppe wieder runder lief und ebenso für die Wochen nach Zahnbehandlungen. Diese Tabelle zeigt u.a., was ich auch in späteren Jahren oft beobachten konnte: Eine "Routine"-Zahnbehandlung, hier im Januar 2021, hatte keinen Einfluss aufs Gewicht. Es ging sogar noch weiter in den Keller. Einschränkend muss ich dazu aber sagen, dass meine Jungs recht regelmäßig beim Doc waren und die Zähne meistens korrigiert wurden, bevor es richtig problematisch wurde. Wenn einer der Drei kurzfristig starke Zahnprobleme bekommen hat, war das natürlich mit schnellem Gewichtsverlust bis zur Behandlung und einem raschen Anstieg auf das gewohnte Plateau danach verbunden.

Ich möchte deiner Annahme, dass der Stress - durch Konflikte in der Gruppe, die ja tatsächlich in der dunklen Jahreszeit auftraten -, den Gewichtsverlust meiner Degus im Winter beschleunigt haben, ungerne widersprechen. Ich kann das nur nicht so ganz bestätigen, weil meine Beobachtung des Gewichtstiefs im Winter ja jedes Jahr und in unterschiedlichen Gruppen- und Stimmungs- und Gesundheitskonstellationen aufgetreten sind. Die Frage ist aber natürlich, inwiefern dieser Stress durch offene Konflikte besonders gefördert wurde. Du zitierst ja Octodon, die von unterschwelligen Konflikten sprach, und insofern ist ja zumindest die Deutung zulässig, dass es die Degus auch Energie kostet, wenn sie in der dunklen Jahreszeit ihre Dissonanzen unter der Decke halten. Und du hast natürlich recht mit deinem Einwand, dass ich objektiv keine normal-harmonische Gruppe hatte. Auch wenn die wenigen größeren Konflikte, die ich damals hier beschrieben habe, das Bild verzerren - denn letztlich haben meine Jungs ohne Trennungen viele Jahre ihr Zusammenleben arrangiert und es gab ja viele fröhliche, unbeschwerte Zeiten -, ist mir trotzdem nochmal klarer geworden, dass ich aus Sicht einer erfahrenen Deguhalterin eine vergleichsweise (ein Vergleich, den ich nicht habe) konflikthafte Gruppe hatte, was natürlich allen Beteiligten Vierbeinern im Winter besonders Kraft und Gewicht gekostet haben dürfte!
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